gamescom-Rückblick: Highlights, Lowlights und der Geruch von Würstchen
Die gamescom 2026 ist vorbei, die Füße erholen sich langsam und die Goodies sind sortiert. Zeit für unseren ehrlichen Rückblick: Was lief richtig gut, wo hakte die Organisation und warum roch der Boulevard plötzlich nach Würstchen?
Fast eine Woche ist es nun her, dass in den Kölner Messehallen ein letztes Mal die Lichter ausgingen. Langsam geht es den Füßen wieder besser und die Goodies sind sortiert. Jetzt wird es Zeit, die diesjährige gamescom nochmal Revue passieren zu lassen.
Was lief gut, wo drückt der Schuh und was muss die koelnmesse für nächstes Jahr auf jeden Fall anpassen? Hier ist unser Feedback zur diesjährigen gamescom-Woche!
Security-Roulette
Wir starten dieses Jahr direkt beim Einlass. Dieses Jahr haben wir bei der Sicherheit ein Auf und Ab erlebt. Auf der gamescom dev ging es besonders wild zu. Morgens wurde uns der Eintritt auf das koelnmesse Gelände verwehrt, weil wir unser Ticket in der gamescom biz App und nicht als PDF vorzeigten. Nach Rücksprache mit dem Supervisor war das dann geklärt. Bereits 2 Stunden später gab es an dieser Stelle gar keine Ticketkontrolle mehr. Bei der Taschenkontrolle ging es genau so inkonsistent weiter. Während zu manchen Uhrzeiten jede Tasche bis aufs kleinste Detail geprüft wurde, man selbst durch einen Scanner laufen musste und anschließend nochmal durchleuchtet wurde, konnte man 20 Minuten später mit einem einzigen Blick der Security in die Tasche das Gelände betreten.
Auf der gamescom selbst war die Taschenkontrolle am Eingang wie immer ausbaufähig. Auch ohne Schlange am Security Check durften wir an den meisten Tagen einfach so durch laufen, ohne die Taschen auch nur zu öffnen.
Auch dieses Jahr gab es wieder verwirrende Umleitungen, da hilft auch ein Banner, welches die Umleitung hinter einem QR-Code erklären soll, relativ wenig.
Die Security-Mitarbeiter innerhalb des Messegeländes waren wie jedes Jahr wenig hilfreich, Person A weiß nicht, was Person B 10 Meter weiter treibt und umgekehrt. Uns wurde außerdem berichtet, dass die Security auch nicht helfen konnte, wenn das Awareness Team gebraucht wurde.
A-Pro-Pos Awareness: Wir haben das Awareness-Team immer mal wieder beim durch die Hallen laufen antreffen können, allerdings waren diese teilweise sehr unauffällig gekleidet – dunkle T-Shirts und nur ein gelber Pin auf der Brust, der verrät, dass es sich um das Awareness Team handelt. Eine auffällige Kleidung und mehr Personal im Awareness Team wäre für nächstes Jahr sinnvoll. Aber immerhin konnten wir die Zweier-Teams immer mal wieder sehen, was uns ein Gefühl von Sicherheit im Ernstfall vermittelt hat.

Tage-Verkehrte-Welt
Die gamescom verkauft den Mittwochnachmittag mit der Wildcard als tolle Gelegenheit, um mit kurzen Schlangen neue Spiele auszuprobieren. Dies war jedoch dieses Jahr – und auch in den Vorjahren – nicht der Fall. Mittwoch Nachmittag wurden die Hallen bereits so voll, wie sie sonst an einem Donnerstag oder Freitag sind. Für Top Titel musste man auch am Mittwochnachmittag die volle Anstehzeit wie an den anderen Tagen einplanen. Die Wildcard hat sich dieses Jahr für den effektiv 4-Fachen Preis im Vergleich zu einem Ticket für die anderen Tage nicht gelohnt.
Umso kurioser war das Wochenende: Ausgerechnet Samstag und Sonntag, die Tage, die historisch immer immens überfüllt waren, waren dieses Jahr erstaunlich ruhig. Es gab immer ruhige Ecken und besonders der Teil des Boulevards beim Eingang Nord war fast komplett leer. Die Außengänge der Hallen waren ebenso sehr leer, sodass man dort angenehm laufen konnte. Dies hat dem Messeerlebnis am Wochenende unserer Meinung nach sehr gut getan.
Hallen-Hygiene: Wurstgeruch statt frischer Mandarine
Erinnert ihr euch noch an den strahlenden, glänzenden Messe-Boulevard, der morgens dezent nach frischer Mandarine und Frische duftete? Wir wissen nicht, was dieses Jahr schiefgelaufen ist, aber der Glanz vergangener Tage war wie weggeblasen.
Putzmaschinen haben wir die gesamte gamescom über nicht einmal erblicken dürfen. Das Resultat waren fleckige Hallenböden und ein Boulevard eingedeckt in Staubflusen und zertretenen Wurststücken. Und so hat er auch gerochen. Das ist definitiv nicht das, was man von einer internationalen Top-Messe erwartet. Bitte bitte putzt die Böden über Nacht wieder! Das ist eine Messe und keine Bahnhofsunterführung.

Wasserspender, Gender Neutrale Toiletten und Pfand
Endlich gibt es Wasserspender in der koelnmesse! Großes Lob dafür. Kostenlose Wasserspender bereitzustellen ist zeitgemäß, notwendig und ein echter Lebensretter, vor allem bei den heißen Temperaturen, die wir den Sommer über immer wieder hatten. Es gibt 9 Wasserspender entlang des Boulevards, das Wasser schmeckt gut und es gibt eine Option zum Flasche befüllen und eine Option, um so aus dem Spender zu trinken. Gepaart mit den neuen Gender Neutralen Toiletten in den Außenbereichen haben die Wasserspender außerdem die Toiletten an den Hallen Eingängen entlastet. Dort waren in den Vorjahren immer sehr lange Schlangen, diese waren dieses Jahr etwas kürzer. Die Gender Neutralen Toiletten sind unserer Meinung nach ein super Zusatz zu den bestehenden Toiletten. Kurze oder keine Warteschlangen, sauber und für jedes Gender problemlos Zugänglich. Allerdings nicht barrierefrei.
Im Gegensatz zu den wirklich guten Wasserspendern haben die Pfandautomaten auf der Messe noch Verbesserungsbedarf. Die Automaten haben eigentlich ständig irgendwelche Fehler oder sind voll. Und wenn dann mal einer funktioniert, akzeptiert nur sehr ausgewählte Flaschenhersteller. Entweder sollte man die Stationen engmaschiger prüfen und leeren oder Personal bereitstellen, was das Pfand entgegennimmt. In den Vorjahren gab es dafür Abends Personal beim oberen Südeingang, dieses Jahr haben wir dort keine Pfandrückgabe mit Personal gesehen.

Accessibility
Was uns weniger positiv aufgefallen ist war dieses Jahr die Accessibility. An einigen großen Ständen gab es Stolperkanten. Obwohl die gamescom dieses Jahr großen Wert auf Accessibility gelegt hat, ist davon kaum ein spürbarer Unterschied zu den Vorjahren hängen geblieben. Bei den meisten großen anspielbaren Titeln gab es außerdem eine tiefere Station, damit auch Personen im Rollstuhl in den Genuss der neuen Spiele kommen können. Xbox bleibt hier weiterhin Vorreiter, von dem sich viele Aussteller eine Scheibe abschneiden könnten.
Die bestehenden Ruheräume waren dieses Jahr leider nicht einfach zugänglich, sondern wurde nur von Person zu Person geschickt, was sehr schade war.
Aufteilung Halle 5
Beginnen wir direkt mit dem negativsten Punkt bei Halle 5: Die Artist Area ist viel zu eng. Die Gänge waren so schmal und überfüllt, dass man nicht mehr weiterlaufen konnte, sobald an beiden gegenüberliegenden Ständen jemand stehen geblieben ist. Das ist nicht nur zum Durchlaufen extrem unangenehm, sondern auch ein Sicherheitsrisiko, falls mal etwas passiert. Man kommt einfach nicht durch. Für uns war die Enge ein Grund, nicht alle Artist-Stände anzusehen, obwohl mitgebrachten Dinge durchaus interessant sind. Kreative Köpfe wie die Artists, die dort ihre Kunst ausstellen, sind oft die Seele einer Community und doch werden sie so in ein Eck gepfercht.
Gleichzeitig war die Merch Area direkt nebenan deutlich breiter gebaut. Inhaltlich aber wirklich uninteressant. Kaum Merch zu Spielen, sondern primär zu Anime und Dropshipping-Produkte, die man genauso für einen Bruchteil des Preises auf AliExpress bekommt.
Unser Vorschlag wäre, die Trading Card Area zu verkleinern, die AliExpress-Händler aus der Merch Area auszusortieren und dafür den gewonnenen Platz den Artists zur Verfügung zu stellen.
Früher Abbau von Ständen
Dieses Jahr haben viele Stände bereits sehr früh angefangen abzubauen. Sowohl freitags in der Business Area als auch am Sonntag in der Consumer Area – insbesondere in Halle 10.1. Dort haben auch viele Aussteller ihre Waren verkauft, die sie nicht mehr mitnehmen wollten. Verkauft wurden beispielsweise Tastaturen und Gaming-Stühle.
Presse und KI
Das Pressezentrum Nord hat bereits am Sonntag geschlossen, was für diejenigen die bis zur letzten Minute vor Ort sind schade ist. Damit entfällt jeglicher Rückzugsort auf der Messe für die Personen, die dort noch arbeiten.
Des Weiteren würden wir uns wünschen, dass nicht mit AI-Slop geworben wird. Während ihr in der Artist Area noch damit werbt, keine KI-Inhalte zu erlauben, hängt beispielsweise bei Eingang Nord das Banner für die gamescom asia, dessen Werbebild total nach KI aussieht. Das passt nicht so ganz zusammen. Von der gamescom asia gibt es sicher auch gute Bilder, die man stattdessen nehmen könnte.
Fazit
Die gamescom hat nach wie vor diese unvergessliche Magie, wenn Gleichgesinnte zusammenkommen und sich Freunde aus dem ganzen Land oder sogar der ganzen Welt dort treffen. Damit die gamescom noch besser werden kann, muss die Organisation weiter an ein paar Basics feilen: Sauberkeit, Hallenverteilung, Pfandsysteme und Barrierefreiheit sind ein Fundament für eine erfolgreiche Messe.
Wir freuen uns aufs nächste Jahr – Dann hoffentlich wieder mit einem glänzenden Boulevard und vielen, coolen Artists.






