Exklusiv-Interview mit SCS Software: Die Zukunft von Euro Truck Simulator 2 auf Konsole und PC
SCS Software spricht auf der Gamescom 2026 über die Zukunft von Euro Truck Simulator 2 und American Truck Simulator: Konsolenversion, Coaches, neue DLCs, Elektro-Lkw, Rückfahrkameras und mehr.
SCS Software ist zurück auf der Gamescom und die Entwickler von Euro Truck Simulator 2 und American Truck Simulator hatten einiges zu erzählen. Nach Jahren im reinen B2B-Bereich präsentierte das Studio erstmals wieder direkt für die Community seine aktuellen Projekte. Dabei ging es nicht nur um die lang erwarteten Coaches, sondern auch um die Konsolenversion, neue Karten, Elektro-Lkw und Features, auf die Spieler teilweise seit Jahren warten.
Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Daniel „Nemiro“ Němec, Head of PR & Marketing bei SCS Software, über die Zukunft der beiden Truck-Simulatoren gesprochen. Wann kommen die Konsolen? Wie weit sind die Busse? Was steckt hinter „Soul of Anatolia“? Und warum gibt es bis heute weder sichtbare Unfallschäden noch die Möglichkeit, den Truck zu Fuß zu verlassen? Die Antworten darauf gibt es im folgenden Interview.
Hinweis: Das Gespräch wurde am 27.08.2026 auf der Gamescom auf Englisch geführt und für diesen Artikel ins Deutsche übersetzt sowie redaktionell leicht gekürzt.

gamingpartys.de: Schön, dich wiederzusehen! Ihr seid nach vielen Jahren wieder im B2C-Bereich. Was war der Grund für die Rückkehr?
Nemiro: Es gibt mehrere Gründe. Nach 2019 kamen die schwierigen COVID-Jahre, in denen Events quasi ums Überleben gekämpft haben. In den vergangenen Jahren hatten wir zudem nicht das Gefühl, dass die Gamescom wieder die frühere Größenordnung erreicht hatte. Deshalb haben wir sie vor allem genutzt, um Partner im B2B-Bereich zu treffen. Inzwischen hören wir aber von vielen Entwicklern und Besuchern, dass sie zurückkehren. Außerdem haben wir dieses Jahr schlicht viel zu zeigen: die Coaches für ETS2, nach denen die Community schon ewig gefragt hat, das „Road Trip“-Projekt, Island, South Dakota und mit British Columbia die erste kanadische Provinz für ATS. Wir wollten nicht riesengroß auftreten, deshalb Halle 10.1 statt der Hallen 6 oder 8, wo die ganz großen Publisher sind. Aber wir wollten sehen, ob die Messe wieder wie vor Corona ist. Bisher sieht es gut aus.
gamingpartys.de: Viele warten schon sehr auf die Konsolenversion. Wann ist es denn so weit?
Nemiro: Wir kennen die Kommentare und bedauern es sehr, dass wir noch kein Release-Datum nennen können. Aber wir wollen nichts überstürzen. Ihr wartet seit vielen Jahren darauf, und wir wollen niemanden mit einem Produkt enttäuschen, das sich schlechter anfühlt als auf dem PC. Es ist eine gewaltige Aufgabe: Als ETS2 vor rund 14 Jahren programmiert wurde, hat niemand daran gedacht, das Spiel jemals auf eine PS5 zu bringen. Wir müssen an vielen Stellen den Code von Grund auf neu schreiben, damit er auf Konsolen läuft. Gleichzeitig können wir nicht sagen: „Die nächsten drei Jahre gibt es keine neuen Inhalte fürs Spiel.“ Wir müssen also parallel den Code umschreiben und weiterhin neue DLCs, Trucks und Inhalte liefern.
gamingpartys.de: Profitieren PC-Spieler von dieser Arbeit?
Nemiro: Ja, bis zu einem gewissen Grad auf jeden Fall. Auf Konsolen sind Speicher und Grafikressourcen limitiert. Wir müssen das Spiel also weiter optimieren und neue Technologien für Texturen, Laderoutinen und Assets schreiben. Von diesen Leistungsverbesserungen werden auch PC-Spieler profitieren.
gamingpartys.de: Ihr habt vor einiger Zeit das Beleuchtungssystem überarbeitet. Gibt es Pläne für weitere Anpassungen, beispielsweise bei Tunneleinfahrten am Tag?
Nemiro: Das Phänomen kennen wir, beispielsweise auch aus unseren unterirdischen Depots im ATS. Das liegt an den aktuellen Grenzen unserer Engine, die den Übergang etwas zu abrupt darstellt. Wir arbeiten im Hintergrund aber kontinuierlich an Verbesserungen des Beleuchtungssystems.

gamingpartys.de: Es wird ein „Soul of Anatolia“-DLC für ETS2 geben. Bedeutet das den Schritt Richtung Asien, und was kommt danach?
Nemiro: Wir nennen den DLC bewusst „Soul of Anatolia“, weil er nicht die gesamte Fläche des Landes abdecken wird. Dafür ist das Land einfach zu riesig. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis „Soul of Anatolia“ fertig und bereit für den Release ist. Welches Projekt danach folgt, ist noch völlig offen.
gamingpartys.de: Warum kommen die Coaches genau jetzt? Liegt es an den Ressourcen?
Nemiro: Das ist der Hauptgrund. Dank der Unterstützung der Community sind wir so weit gewachsen, dass wir mehrere Großprojekte gleichzeitig betreiben können. Wir hatten die Busse vor Jahren quasi versprochen und wollten dieses Versprechen endlich einlösen. Zudem haben wir nun endlich die nötigen Lizenzen unserer Partner aus der Automobilindustrie erhalten. Wir sind fast bereit für den Release. Ob sie direkt im Convoy-Multiplayer nutzbar sein werden, kann ich aber noch nicht mit Sicherheit sagen.
gamingpartys.de: Im Convoy-Modus wird die Möglichkeit vermisst, Routen-Wegpunkte untereinander zu synchronisieren. Ist so etwas denkbar?
Nemiro: Ich bin zwar nicht im UI- oder Multiplayer-Team, aber das ist definitiv eine gute Idee und gutes Feedback. Unsere interne To-do-Liste ist allerdings schon zehn Seiten lang. Eine Herausforderung bei so einem Feature wäre auch die Frage, wer die Wegpunkte bestimmt, damit kein Chaos entsteht. Vielleicht derjenige, der die Session erstellt hat.
gamingpartys.de: Gibt es Pläne für Rückfahrkameras bei modernen Trucks?
Nemiro: Rückfahrkameras sind technisch bereits fertig und werden mit „Road Trip“ und den Bussen eingeführt. Das haben wir bereits im ersten Gameplay-Video angeteasert. Bei echten Lkw sind Rückfahrkameras allerdings nicht der Standard. Es gibt spezielle Lösungen, etwa von der Firma Jost, die eine Kamera direkt an der Sattelkupplung verbaut, um das Ankuppeln des Trailers zu erleichtern, oder Kameras an den Trailern selbst.
gamingpartys.de: Wird man irgendwann zu Fuß aus dem Lkw aussteigen können?
Nemiro: Wir wissen, dass viele das gerne hätten und Modder daran arbeiten. Aber unsere Spielwelt ist dafür nicht ausgelegt. Das Spiel ist im Grunde wie ein Korridor für die Fahrt mit dem Truck gebaut. Würden wir die Kamera freigeben, würden Spieler schnell durch den Boden ins Nichts fallen oder sehen, dass Gebäude von hinten aus Performance-Gründen gar keine Texturen haben. Es steht auf der Liste, aber ich kann nicht versprechen, ob oder wann das kommt.
gamingpartys.de: Wie sieht es mit sichtbaren Fahrzeugschäden aus?
Nemiro: Dazu gibt es keine Pläne. Wir schätzen die Partnerschaften mit den Herstellern sehr. Sie möchten ihre Fahrzeuge schlichtweg nicht in Unfallszenarien und völlig demoliert sehen. Lkw sind 40 Tonnen schwere Maschinen. Das ist ein sehr sensibles Thema, und wir wollen nicht in dieselbe Sparte von Videos wie GTA geraten.
gamingpartys.de: Ihr habt erste Elektro-Lkw für schnelle Aufträge im Spiel. Wann kommen eigene E-Trucks und ein Ladenetzwerk?
Nemiro: Ja, daran arbeiten wir, und intern befasst sich bereits ein Team mit Ladestationen auf der Map. Die Hürde ist dieselbe wie in der echten Welt: Man kann Tankstellen nicht einfach um ein paar Quadratmeter für Ladesäulen vergrößern, da man sonst die angebundenen Straßen, Autobahnen und Städte im Spiel ebenfalls verschieben müsste. Wir wollen das vernünftig und realistisch lösen. Das Ziel ist aber ganz klar, dass Spieler eigene E-Trucks besitzen und laden können, statt dauerhaft auf schnelle Aufträge beschränkt zu sein.
gamingpartys.de: Vielen Dank für das Interview!
Fazit: Die Zukunft bei SCS bleibt spannend
Das Gespräch zeigt gut, wie viel bei SCS Software derzeit parallel läuft. Das Studio ist in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen und stemmt mittlerweile mehrere Großprojekte gleichzeitig. Mit den lang versprochenen Coaches, neuen Regionen und Planungen für weitere neue Features steht der Community reichlich Nachschub bevor.
Der Euro Truck Simulator 2 erschien ursprünglich im Oktober 2012 und gehört bis heute zu den langlebigsten und erfolgreichsten Simulationen auf dem PC. Seit über einem Jahrzehnt versorgt SCS Software die treue Community kontinuierlich mit kostenlosen Feature-Updates, technischen Überarbeitungen und großen Map-Erweiterungen, von Skandinavien über Iberia bis hin zum Westbalkan. Als Nächstes steht für virtuelle Trucker unter anderem das Island-DLC sowie die Reise nach Irland auf dem Fahrplan.







